Um was handelt das Buch? Das Buch "Axis Mundi - ein Schlüssel zum Verständnis biblisch-prophetischer Bilder" soll eine Hilfe bieten, um Bildersprache der Bibel besser zu verstehen zu können. Es sind Bilderfamilien der Gestirne, Berge, Bäume, Brunnen und noch weitere, die aus einer alten Kosmologie entlehnt sind.
Epheser 4,10 "Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte."
Die "Axis Mundi" wurde im Altertum als eine imaginäre, spirituelle Verbindung zwischen Himmel, Erde und Unterwelt verstanden, die als Verbindung zu spirituellen Ebenen dient. Es ist eine gedachte, geistliche Linie, welche Himmel und Erde miteinander verbindet oder auch tragend zusammenhält oder stützt. Die biblische Sprache bedient sich diesem Bild sehr häufig. Ein Beispiel ist Epheser 4,10: Hast du schon einmal darüber nachgedacht worauf Jesus hinab- bzw. hinaufsteigt?
Das lateinische Fachwort "Axis Mundi" wird nicht jedem auf Anhieb gefallen. Es bedeutet auf Deutsch zwar nichts anderes als „Weltachse“, ist aber ein Begriff der mehr in der Astrologie genutzt wird. Damit möchten viele gläubige Christen nichts zu tun haben. Es geht hier aber in keiner Weise darum Astrologie für Christen salonfähig zu machen. Es geht vielmehr darum, ein Verständnis für die vielen biblischen Texte zu ermöglichen, die auf astronomische Dinge Bezug nehmen. Der berühmte biblische Bericht vom Stern von Bethlehem, dem die Sterndeuter aus dem Osten bis zu Jesus folgten, ist ein gutes Beispiel dafür. Nicht nur die Hirten auf dem Feld übernachteten unter freiem Himmel – kostenlos im Tausendsterne-Hotel, sondern auch die meisten Menschen in der biblischen Zeit schliefen regelmäßig auf ihren Flachdächern. Die Menschen waren damals den Sternen viel näher als der moderne Mensch. Astronomische Beobachtungen waren fester Bestandteil fast aller alten Kulturen und ihrer Kosmologie. Und die Bibel hat sehr viele Bezüge auf kosmische, astrale und himmlische Zusammenhänge. Ihre prophetische Sprache ist voll damit.
Da wo sich die Axis Mundi als unsichtbare Himmelswelt mit der irdischen Welt kreuzt, ist ein Portal zu diesen Welten und dort vermischen sie sich - so dachte man. In dieser Vorstellung kann man rauf, bzw. runtersteigen oder mit einem spirituellen Vehikel hoch, bzw. runterfahren.
ARTIKEL
Kleine Symbolstudie
Ein Symbol, dass sich in vielen Kulturen dieser Welt wiederfindet
Die frühesten Darstellungen des Sternsymbols in Mesopotamien zeigen häufig sechs Strahlen (Abb. 01) oder sieben Punkte (Abb. 02), die von einem zentralen Punkt ausgehen. Diese Form wirkt wie eine Mischung aus Blüte (Abb. 03) und Stern: sechs äußere Spitzen oder Punkte, die den siebten Punkt in der Mitte umschließen. Der Aufbau ist schlicht, aber bemerkenswert stabil über die Zeit hinweg – ein klarer Hinweis darauf, dass der sechszackige Stern eine besonders alte und bedeutungsvolle Form war. Sowohl das Symbol mit den sechs Speichen als auch die sechsblätrige Blüte, setzen einen Fokus in ihre Mitte. So entsteht dort, zwar eigentlich unsichtbar, aber doch unmittelbar ein weiterer Punkt – man wird auf das Zentrum durch das Zeichen aufmerksam gemacht. Darum nennen wir hier diese Zeichen, ebenso wie das mit den exakten sieben Punkten auch Siebenpunktesymbole.
Die Wurzeln dieser Siebenpunktesymbole reichen in die frühesten Himmelsbeobachtungen zurück. Auch die heilige Siebenzahl ist stellaren Ursprungs. Die damals bekannten Wandelgestirne, Fackeln, Lichter, Geister am Himmel waren die Sonne, der Mond, die Venus, Jupiter, Mars, Merkur, Saturn. Die Menschen Mesopotamiens orientierten sich stark an den Himmelskörpern, und ein Motiv, das als Kreis mit zentralem Punkt und gleichmäßig angeordneten Strahlen erscheint, lässt sich leicht als Abbild des Himmelszentrums verstehen. Um dieses Zentrum drehen sich alle Wandelsterne. Ein Polstern (bzw. Sterne in der Nähe der Polregion), die im Norden nahezu feststehen, wurden schon früh als eine Art Fixpunkt des Himmels wahrgenommen – ein Stern, der sich scheinbar nicht bewegt, während die anderen um ihn kreisen. Diese Vorstellung eines himmlischen Mittelpunktes, um den alles kreist, findet in der sechszackigen Sternform eine greifbare, grafische Entsprechung: ein Zentrum, aus dem die Ordnung des Himmels hervorgeht, und sechs Richtungen, die die Welt strukturieren. So steht es für sich als Karussellsymbol des Himmels, der sich um diesen Punkt dreht.
Die sechszackige Sternform hat jedoch nicht nur astronomische, sondern auch botanische Wurzeln. Viele frühe Darstellungen nehmen sichtbar Formen aus der Natur auf, besonders aus den symmetrischen Strukturen von Blüten. Die Rosette mit sechs Blättern (Abb. 03) ist eines der ältesten Motive der Uruk-Zeit. Die klare, radiale Ordnung der Blüte legte es nahe, sie in eine himmlische Bedeutung zu übertragen – die Blume als Stern, und andersrum, der Stern als göttliche Blüte. Das Symbol ist damit eine Entlehnung aus der Natur, die zum Bild der kosmischen Ordnung wird. Der zentrale Punkt steht für den Baum des Lebens, Ursprung, Lebensfluss und göttliche Kraft; die sechs Strahlen für deren Ausstrahlung in alle Richtungen des Weltgefüges wobei die Mitte als siebter, heiliger Punkt die Mitte bildet. In der sogenannten Lebensblume, deren Struktur aus mehrfach überlappenden Blütenrosetten besteht wird die kosmische Symetrie deutlich. Im ägyptischen Osirion von Abydos (Abb. 04) etwa begegnet dieses Ornament als ein weit ausgebautes Netz aus kreisförmigen Blüten, die durch ihre perfekte Symmetrie einen Eindruck von Ordnung, Harmonie und kosmischer Gesetzmäßigkeit vermitteln. Diese Muster folgen denselben geometrischen Prinzipien wie die frühen mesopotamischen Rosetten: Ein Zentrum, um das herum Punkte oder Blütenblätter kreisförmig angeordnet sind. Die Symmetrie ist keine Zier, sondern Ausdruck eines Weltbildes, in dem sich der Aufbau der Natur mit dem Aufbau des Kosmos spiegelt. Doch bleiben wir bei der sechsblättrigen Blüte und dem Siebenpunkte Symbol.

Abb. 04
"Temple-of-Osiris Flower-of-Life 02“ von Ray Flowers, via Wikimedia Commons, lizenziert unter CC BY-SA 3.0.
Besonders aussagekräftig wurde dieses sechszackige Sternsymbol (Abb.05), wenn es im mesopotamischen Kontext, in einen Kreis gesetzt wurde (Abb.06). Der Kreis hebt das Zeichen deutlich heraus und intensiviert seine Bedeutung. Ohne Kreis kann der Stern für einzelne Himmelskörper stehen – einen Stern, die Sonne oder den Mond, je nach Kontext. Mit Kreis jedoch wird er zum Symbol kosmischer Herrschaft. Der Kreis umschließt nicht nur die Form, sondern markiert die Vollständigkeit und Ganzheit der Ordnung, die vom Zentrum ausgeht. Ein sechszackiger Stern im Kreis steht damit für eine übergeordnete, umfassende Macht: nicht nur ein Stern am Himmel, sondern der Himmel als strukturierte, göttlich beherrschte Sphäre selbst. Auch die Sonne, der Mond und die Venus setzten sich als feste Zeichen mit bestimmten Anzahlen an Strahlen/Zacken durch, die umkreist dargestellt wurden: die Himmlischen Hauptgötter (Abb.08, a, b und c). Diese finden sich auf den berühmten Stehlen Mesopotamiens.
In dieser Entwicklung – von der Blütenrosette über den sechszackigen Stern hin zu späteren, komplexeren Sternmotiven – bleibt der Grundgedanke stets gleich: Der Himmel besitzt einen Mittelpunkt, und aus ihm entspringt Leben, Ordnung und göttliche Kraft. Die späteren Formen, etwa der achtzackige Stern der Inanna/Ishtar (Abb.08, b) oder das abstrakte Keilschriftzeichen DINGIR (Abb. 07 = Gott), knüpfen an diese frühe Symbolik an. Doch der sechsstrahlige Stern bildet eine der ältesten Schichten dieser Tradition, in der sich Himmel, Natur und göttlicher Ursprung noch unmittelbar verbinden.
Der Siebenpunktestern und die Blütenrosette wurden in vielen Kulturen zu Symbolen der Himmelsmitte und Erdmitte, also ein Symbol des „Nabels der Welt“. Die Vorstellung eines zentralen Punktes, von dem Ordnung, Macht und Orientierung ausgehen, findet hier ihren visuellen Ausdruck: ein Mittelpunkt, um den herum sechs gleichmäßig verteilte Punkte oder Strahlen liegen. Dieses Motiv verbindet Naturbeobachtung (Symmetrie von Blüten) mit Himmelsbeobachtung (Fixpunkt des Nordens, Sternordnung) und wird dadurch zum universellen Zeichen des kosmischen Zentrums.
In der Ägäis begegnet das Symbol bereits früh. Es taucht als vermeintliches Schriftzeichen auf dem berühmten "Discos von Phaistos" (Abb.13) auf. Auf minoischen und später attischen Vasen erscheinen Siebenpunkte- und Siebenzackensterne oft in eindeutig stellarem Kontext, häufig in Verbindung mit Stieren, der kretischen Axt (Lybris), Löwen oder geflügelten Wesen, und stellare Heroen die als Himmelsträger verstanden werden konnten (Abb.09). Auf manchen Artefakten ist die Kombination aus Siebenpunktemuster und Siebenzackstern in einem einzigen Symbol zu finden. Diese doppelte Siebenstruktur aus Punkten und Sternmuster wurde besonders mit Göttinnen, mit der kosmischen Mitte oder mit himmlischer Ordnung in Verbindung gebracht (Abb.10).
Das Motiv reicht bis in die römische Zeit hinein. In römischen Mosaiken (Abb.12) erscheinen Siebenpunkte als Mittelzeichen. Auf goldenen Kaisermedaillons (Abb.11) sind sie Teil der Herrschaftssymbolik: Der Kaiser steht unter dem Zeichen des himmlischen Zentrums und der göttlichen Legitimation. Auch die keltischen und germanischen Kulturen übernahmen die Siebenpunktestruktur, teils als Sternsymbol, teils als kosmische Blüte. Besonders auffällig ist der Bezug zum Norden und zur oberen göttlichen Welt, der in vielen dieser Darstellungen mitschwingt.
Ein berühmter Fall ist die Himmelsscheibe von Nebra (Abb.14). Die sieben Punkte auf der Scheibe werden meist als Plejaden gedeutet. Doch die Darstellung unterscheidet sich deutlich von den üblichen, lockeren Plejadenabbildungen des Altertums. Der regelmäßige Punktkreis lässt vielmehr auf ein Symbol der Himmelsmitte schließen – möglicherweise ein Zeichen für den Polarbereich oder die kosmische Ordnung. Eine ähnliche Struktur findet sich auch auf gallischen Münzen (Abb.15, a, b, c), wo die Siebenpunkte oft mit Herrscher- oder Gottheitendarstellungen kombiniert sind.
Aus der älteren Tradition in der Levante entwickelte sich auch das, was später als Davidstern oder Siegel Salomos (Abb.16) bekannt wurde. Lange bevor es zum Symbol des Judentums wurde, war der Sechsstern eine Weiterentwicklung der Siebenpunktesymmetrie: ein geometrisierter Ausdruck von Himmel und Erde, Mitte und Ordnung. Die Römer verwendeten es (z.B. in Baalbeck - Abb.17). In späteren jüdischen Traditionen verband sich dieses Motiv mit der messianischen Sternprophetie, die Herrscher aus Juda ankündigte. Im Christentum wurde Jesus selbst oft als Stern bezeichnet, und die sieben Speichen oder Siebenpunkte beeinflussten die Gestaltung des Christusmonogramms (Abb.18 - Chi-Rho) und vieler kirchlicher Mosaiken. So wurde der Stern von Bethlehem manchmal so dargestellt (Abb.19). Dort tauchen radiale Sternformen und Siebenpunktedarstellungen als Zeichen für Christus, Auferstehung und himmlisches Licht auf.
Besonders interessant sind die mittelalterlichen, sogenannten Napfschalen oder Schalensteine: Steinschalen, die häufig sieben Einbuchtungen besitzen (aber auch mehr). Ähnliche Schalen gab es schon bei den kretischen Minoern. Zu erwähnen wäre hier ein Mehrfachgefäß (Abb. N01; 24.-12. Jahrhundert vor Chr.) das als „Kernos“ gedeutet wird. Das ist ein Opfergefäß, dass für Nahrungsmittel benutzt wurde. Es hat eine zentrale Öffnung. Darum herum ordnen sich strahlenförmig sechs eingeritzte Dreiecke, welche die Strahlen eines Sterns bilden. Außerdem hat es 6 Napfschälchen eingelassen.
Ähnliche Schalensteine sind aus dem südlichen, deutschsprachigen Raum bekannt. Beispiel: Der Marmor-Schalenstein (Abb. N03) in einer gotischen Wallfahrtskirche Maria Höfl (in Kärnten, Österreich). Die meisten solcher Schalensteine finden sich als wiederverwendete Kultobjekte, so z.B. der Schalenstein in einer Wandnische im Nonner Kircherl bei Bad Reichenhall in Oberbayern (Abb. N06), oder der ursprünglich an der Kirchentür in St.Georgen an der Salzach bei Salzburg (Abb. N02; jetzt im Museum Hallein). Der im Boden an der Türschwelle vom Schloss Velthurns (in Südtirol, Italien) eingelassene Schalenstein (Abb. N04) wurde ausgegraben und im dortigen Schloß ausgestellt. Über diesen Stein heißt es:
»Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier um einen tragbaren Schalenstein handelt, der als Lichtträger bei einer kultischen Handlung oder als Beleuchtung in einer prähistorischen Behausung gedient hat.« (Dr.Franz Haller, Die Welt der Felsbilder in Südtirol - Schalen- und Zeichensteine. München : Hornung Verlag , 1978. ISBN: 3873640511)
Der gleichartige Licht- bzw. Schalenstein, der in einem Erdstall (Schrazelloch) in Kronberg (Weinviertel Oberösterreich) vorgefunden wurde (Abb. N 05), diente dort als mögliches, zentrales Objekt in einem Kult-Raum oder einer Seelenkammer (Totenlicht). Der Zweck solcher sehr engen, verzweigten, Erdstellen, mit Gängen die oft in kleine Kammern münden, ist heute noch immer ein archäologisches Rätsel. Viele sind so eng, dass sie nur kriechend passierbar sind. Das ist ein Mysterium wie die Schalensteine selbst.
»[Über die mittelalterlichen Schalensteine] Wenn man sie auch nicht in die Kategorie der Totenleuchte selbst einreihen kann, kommen sie als kollektives Totenlicht ihr dem Wesen nach sehr nahe […]. Es waren entweder runde oder mehreckige Steinplatten - in selteneren Fällen auch Halbkugeln - von unterschiedlicher Stärke mit muldenförmigen Vertiefungen, deren Anzahl zwischen 4 und 12 schwankte, meist jedoch sieben betrug. Sie wurden vor allem am Eingang von Kirchen und Karnern oder auch im Innern derselben entweder an der Mauer angebracht oder in Nischen versenkt. [...]« (Heimatforscher Axel Huber, Mittelalterliche und neuzeitliche Schalen- oder Lichtsteine in Kärnten, in: Carinthia I, 168.Jg.,. 1978. Seite 81)
Die rundlichen Steine mit ihren sieben Näpfchen, könnten als kleine Talgkerzenhalter oder Totenlichter genutzt worden sein. Sie konnten mobil mit herumgetragen, oder möglicherweise auf Altäre gestellt worden sein. Auch das Auffinden an Türschwellen oder Portalbereichen könnte ein Hinweis auf die ursprüngliche Verwendung geben. Wahrscheinlich stammen sie aus einer sehr frühen, vorchristlichen Zeit und wurden später neu verwendet. Die Anordnung der Mulden deutet auf eine symbolische Funktion hin: Es ist mehr als naheliegend, das diese Steine die kosmische Axis Mundi Verbindung repräsentieren – zwischen Himmel, Erde und möglicherweise auch dem Totenreich.
In Kirchenfenstern, insbesondere in Fensterrosetten (Abb.20) , begegnet häufig der Sechsspeichige Stern oder die Sechspassform (Siebenpunkteform). Diese geometrische Struktur wurde oft verwendet, um die Sieben Schöpfungstage darzustellen: Sechs Bögen- oder Kreisfenster um ein Zentrum symbolisieren die Tage der Schöpfung, wobei der siebte Tag als Ruhe oder Vollendung im Mittelpunkt angedeutet wird. So verbinden die Fensterrosetten geometrische Symmetrie, kosmische Ordnung und biblische Erzählung auf anschauliche Weise.
Das Siebenpunktesymbol findet sich nicht nur in sakraler Architektur, sondern auch in vorchristlichen und christlichen Fibeln, Schmuckstücken und Amuletten (Abb. 21). Dort dient es als kosmisches Ordnungszeichen oder Schutzsymbol. Die Form wurde über Jahrtausende weitergegeben und sowohl in profanen als auch in religiösen Kontexten verwendet, wobei sie stets die Mitte, Ordnung und göttliche Kraft verkörperte.
Auch in der jüdischen Mystik taucht später ein Symbol auf, das die Idee der göttlichen Mitte in geometrischer Form weiterführt: Metatrons Würfel. Obwohl es nicht aus der Bibel stammt, sondern aus der frühen jüdischen Apokalyptik (Henochliteratur) und späteren kabbalistischen Traditionen, trägt es dieselbe Grundidee: Ordnung, Mitte und Verbindung der Welten. Das komplexe Muster, besteht aus dem Siebenpunkte-Grundzeichen. Es enthält nach mystischer Interpretation alle grundlegenden Formen der Schöpfung und steht damit für die strukturierte Mitte des Kosmos – ähnlich wie der siebenstrahlige Stern für die geordnete Himmelsmitte.
Auch in der hermetischen und alchemistischen Tradition fand das Symbol beliebtheit. Die Siebenzahl wurde mit den sieben klassischen Planeten, den sieben Metallen und den sieben Stufen der Läuterung verbunden. In der Freimaurerei und in späterer Esoterik wurde die Siebenpunktblüte zum Zeichen innerer Mitte und geistiger Ordnung.
So dient das einfache Siebenpunktesymbol als geometrische „Wurzel“ vieler esoterischer Lebensbaum-Modelle und Darstellungsformen.
In Asien begegnet das Symbol ebenfalls. Der Jadekaiser (Abb.22), der himmlische Oberherr in der chinesischen Tradition, sitzt in Darstellungen häufig auf siebenpunktigen Sternblüten, die den Nordstern und das himmlische Zentrum symbolisieren. In Indien und im Fernen Osten finden sich vergleichbare Muster auf Tempeln, Textilien und Schutzamuletten. Hier sind auch die sehr alten indischen Münzen zu erwähnen (Abb.23).
Im modernen Irak hat sich das Motiv sogar als Schutzzeichen erhalten (Abb.24), oft als Siebenpunkteblume gegen Unheil oder böse Einflüsse.
So zeigt sich durch alle Epochen und Kulturen hindurch ein erstaunlich stabiles Bild: Der Siebenpunktestern – ob als Blüte, Stern oder geometrische Figur – steht für Mitte, Ordnung, Schutz, göttliche Präsenz und kosmische Ausrichtung. Und immer dann, wenn der Zusammenhang zum Himmel eindeutig ist, trägt das Symbol dieselbe Botschaft: Es markiert den Punkt, von dem aus die Welt zusammengehalten wird.
Siebenpunktesymbole erscheinen in vielen Kulturen des Alten Orients und darüber hinaus als Kulturexport. Im Nahen Osten, in Ägypten, auf Kreta bei den Minoern, in Indien und China, ebenso wie in der keltischen und germanischen Welt sowie in zahlreichen Petroglyphen Zentralasiens und Nordeuropas finden sich Muster, die aus einem zentralen Punkt und sechs umlaufenden Punkten bestehen oder aus sechs radialen Strahlen hervorgehen.
Diese Häufung bedeutet jedoch nicht, dass all diese Kulturen denselben religiösen Inhalt damit verbanden. Gleichzeitig besteht eine erhebliche Verwechslungsgefahr mit anderen Symbolen, die eine ähnliche Form besitzen. Die Siebener-Form ergibt sich zum Teil aus der inneren Logik der Symmetrie selbst: Eine natürliche Kreisaufteilung führt oft zu sechs Segmenten, weil dies mathematisch und handwerklich leicht herzustellen ist. Dennoch fällt auf, dass überall dort, wo solche Zeichen in eindeutig stellarem oder kosmischem Kontext stehen – etwa in Verbindung mit Himmelsgottheiten, Kalenderdarstellungen oder Kultobjekten – ein gemeinsamer Grundgedanke sichtbar wird: die Vorstellung eines himmlischen Zentrums, aus dem Ordnung, Orientierung und Zeit hervorgehen. So kommen die Siebenpunktesymbole (und auch mehrzackige Sterne), als Speichen-, Punkte- oder Blütensymbol immer wieder an, auf und rund um Axis-Mundi-Darstellungen vor.
Besonders bekannt ist die Nähe zum Sonnenrad. Damit können Siebenpunktesymbole gerne verwechselt werden. Viele Sonnenräder zeigen ein Kreuz, weil dieses die vier Himmelsrichtungen und die Sonnenwenden symbolisiert; daher sind vier Speichen die häufigste Form. Es gibt aber auch mehrspeichige Varianten – sechs oder sogar acht. In Petroglyphen kann dadurch leicht der Eindruck entstehen, jede radiale Form sei ein Sonnenrad. Doch das trifft nicht immer zu. Manche Petroglyphe sollte man diesbezüglich neu deuten. Ebenso wenig sollte man jedes sechsstrahlige Zeichen automatisch als Sternsymbol ansehen. Die Grenze ist fließend, und die Verwechslung kann in beide Richtungen gehen: Ein sechsspeichiges Rad kann ein Sonnenrad sein – oder ein Siebenpunkte-Sternmotiv des Himmelsmittelpunktes; ein Siebenpunktemuster kann kosmisch gemeint sein – oder rein dekorativ.
Die häufigste Verwechslung betrifft jedoch das Siebengestirn der Plejaden (Abb.25). Das ist ein gut sichtbarer offener Sternhaufen im Sternbild Stier. Auch die Sternbilder der Hesperiden, der kleine Wagen und der große Wagen bestehen aus sieben mit bloßem Auge zählbaren Sternen. Die symbolische Darstellung ist aber oftmals signifikant unterschiedlich. Auch Fachleute identifizieren Siebenpunkte-Anordnungen oft vorschnell als Plejaden, weil diese in vielen Kulturen eine zentrale Rolle für Ackerbau und Jahreszeiten spielten. Doch besonders die Darstellung der Plejaden sieht in der Regel völlig anders aus als das Siebenpunkt-Sternensymbol oder die sechszackigen Sternformen. In Mesopotamien, Ägypten, im Mittelmeerraum und sogar in Mesoamerika werden die Plejaden meist in lockeren, unregelmäßigen Gruppen dargestellt – eben so, wie sie am Himmel erscheinen. Das kreisrunde Sechspunktmuster mit zentralem Punkt dagegen ist ein radiales Ordnungsschema, kein Abbild einer realen Sternengruppe. Es steht für Mitte, Fixpunkt und kosmische Struktur, während die Plejaden ein Jahreszeichen sind. Daher repräsentieren die Siebenpunkte-Sternenmuster nicht das Siebengestirn, sondern vielmehr die Himmelsmitte, den Punkt, um den sich der Himmel ordnet – in vielen Traditionen symbolisch verbunden mit Stabilität, Herrschaft und schöpferischer Kraft.
So zeigt sich, dass ähnliche Formen weltweit auftreten können, aber nicht dieselbe Bedeutung haben müssen. Erst der Kontext, vor allem der himmlische Bezug, entscheidet darüber, ob ein Symbol bloß dekorativ ist, ob es ein Sonnenrad, ein realer Sternhaufen oder ein Zeichen für das kosmische Zentrum ist. Genau diese Unterscheidung ist entscheidend, um die alte Symbolsprache richtig zu verstehen.
Die Bibel kennt sowohl das Siebengestirn (hebr. kimah, meist mit den Plejaden identifiziert) als auch die Darstellung von „sieben Sternen“, die in der Rechten des erhöhten Christus erscheinen (Offb 1,16.20; 2,1). Diese beiden Bildwelten dürfen nicht verwechselt werden. Während das Siebengestirn ein reales Sternbild darstellt, gehören die sieben Sterne in der Hand Christi zu einer völlig anderen Symboltradition.
In der Offenbarung treten die sieben Sterne zusammen mit den sieben goldenen Leuchtern auf. Diese Verbindung ist entscheidend: Leuchter, Säulen, Bäume und Lampen sind in nahezu allen antiken Kulturen Bilder der Axis Mundi – der Weltenachse, die Himmel und Erde verbindet. Die Sterne, die von dieser Achse getragen werden, sind daher kein Seitensternbild wie die Plejaden, sondern Ausdruck des kosmischen Zentrums.
Christus hält diese Sterne in seiner Rechten, also in der Hand göttlicher Vollmacht. Das Bild zeigt ihn als Herrn über den Himmel, nicht über ein Ackerbau-Sternbild. Die sieben Sterne stehen hier für die Himmelsmitte, für die kosmische Ordnung, die von Gott ausgeht und in Christus verkörpert ist.
Warum es nicht die Plejaden sein können
1. Die Plejaden werden in der Antike fast immer gruppenförmig und unsymmetrisch dargestellt, oft als kleine, ungleich verteilte Sternengruppe. Das biblische Bild dagegen zeigt sieben klar differenzierte Sterne, einzeln gehalten, wie ein geordnetes Set.
2. In jüdischen und christlichen Traditionen tragen Leuchter, Bäume oder Ständer stets die Sterne der göttlichen Gegenwart – dafür steht die Mitte des Kosmos, nicht ein Jahreszeitenanzeiger.
3. Die Offenbarung betont, dass Christus „inmitten der Leuchter“ steht. Dies ist ein typisch zentrales Bild, nicht ein Bild eines Randsternhaufens.
Die sieben Sterne als Symbol der göttlichen Mitte
Damit knüpft die Offenbarung an eine uralte Vorstellung an, die im gesamten Alten Orient und weit darüber hinaus belegt ist:
- Sieben Punkte oder sieben Strahlen markieren den Ort der göttlichen Ordnung – die Himmelsmitte, den kosmischen Pol.
- Wie der Nordstern in der antiken Symbolik fixiert diese Mitte den Himmel, während sich alles andere darum dreht. Das Siebensternesymbol ist deshalb ein Zeichen der Herrschaft, der Mitte der Welt und der Stabilität des Kosmos.
- Indem Christus diese sieben Sterne hält, wird er als kosmischer König dargestellt – als Herr über Himmel und Erde, als Mittelpunkt der Schöpfung. Schon im frühen Christentum verband man ihn mit der Weltenachse, dem Baum des Lebens, dem Lichtständer, der die göttliche Ordnung trägt.
So zeigt die Bibel ein universelles Bild:
Die sieben Sterne in der Hand Christi sind nicht die Plejaden, sondern das kosmische Zentrum, die göttliche Mitte, an der die ganze Welt ausgerichtet ist.
Andy Bodenschatz; Das Siebenpunktesymbol (Nur für kurze Zeit online)
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Andy führt einen Blog, auf dem man sehen kann, mit welchen Gedanken, Grafiken, archäologischen Artefakten er sich gerade für die Buchrecherche beschäftigt. Der Blog ist noch nicht sehr groß.
Wer gerne in eine WhatsApp-Inspirationsgruppe zu dem Thema möchte, kann per Link beitreten. Bitte dort keine themenferne Postings oder Eigenwerbung tätigen.
Jascha Schmitz von faith.sience interviewt Andy Bodenschatz zum Thema Astrotheologie. Mittlerweile gibt es mehrere Teile die aufeinander aufbauen.
Die Playlist findest du hier
Charles Fleischhauer interviewt Andy Bodenschatz zum Thema Astropoesie. Dabei erklärt Andy ein paar biblische Bezüge zu Sternbildern an der Ekliptik.
Kurz vor seinem viel zu frühen Tod interviewte Pastor Bruno Zimmerli den Pastor Andy Bodenschatz zum Thema Axis Mundi.